Vortrag Andreas Gruber

Kultur beginnt bei der Solidarität mit den Schwächeren

Andreas Gruber, Regisseur, Professor an der Filmhochschule in München und Mitarbeiter bei SOS Menschenrechte hat vor rund 300 Schüler/innen der HTL Braunau die Bedeutung der Menschenrechte und die Notwendigkeit, sich für sie einzusetzen, überzeugend dargelegt.

Eine Geburtstagsüberraschung der besonderen Art gab es am Montag, 28. September 2009 in der HTL Braunau. Kollegen/innen unter der Führung von Brigitte Benischke haben Anton Planitzer zum 50er einen Vortrag von Professor Andreas Gruber geschenkt und ein Kuchenbuffet organisiert, dessen Erlös für ein soziales Projekt verwendet wird.

Prof. Gruber ging in seinem Vortrag zum Thema „Menschenrechte“ von ganz konkreten Erfahrungen aus. In einem ersten Blitzlicht nahm er in seinem Vortrag Bezug auf ein Interview der Schriftstellerin Herta Müller, die – auf dem Hintergrund der Erfahrungen ihrer Familie im Rumänien des Diktators Ceaușescu –sich sehr pessimistisch über die Nachlässigkeit im Einsatz für die Menschenrechte geäußert hat. Ausgehend vom tragischen Todes eines indischen Schubhäftlings vor zwei Wochen berichtet er dann über seine Erfahrungen zum Thema „Asyl“ in der Arbeit von SOS Menschenrechte. Er findet die zunehmende Einschränkung der Asylmöglichkeiten in Österreich – Stichwort „Drittstaatenregelung“ – skandalös und vermisst den ernsthaften Willen der Politiker das zugegebener Maßen schwierige Thema „Integration“ ganz konkret anzugehen. „Gerade die, die am lautesten Missstände in diesem Bereich anprangern und zur politischen Stimmungsmache nutzen, haben meist keinerlei Interesse an konkreten Integrationsmaßnahmen.“

In einem zweiten Teil beschäftigte sich Prof. Gruber mit der Geschichte der Menschenrechte. Er legte klar, dass vor allem die jüdisch-christliche Kultur in ihren Basistexten die gleiche Würde aller Menschen hervorhebt. Auch wenn es immer wieder massive Rückfälle gab, so sei doch in den wesentlichen Texten der Bibel die Gleichheit der Menschen festgestellt und sein Wert vor aller Herkunft, Leistung, Besitz, … betont. Dieser Grundbestand sei dann über verschiedene Stationen wie z.B. der französischen Revolution entfaltet und dann vor allem in der Deklaration der Menschenrechte ausformuliert worden. Diesem Ansatz der Gleichwertigkeit sieht er vor allem die sozialdarwinistischen Überlegungen, die vor allem im Bereich der Neuen Rechten propagiert werden, gegenüberstehen. „Die Vorstellung eines Kampfes aller gegen alle, bei dem die Schwachen untergehen und die Starken aufgrund ihrer Stärke Recht haben, ist zutiefst inhuman. Kultur beginnt dort, wo Menschen gerade mit Schwächeren solidarisch sind.“

Im anschließenden Gespräch ermutigte Prof. Gruber die anwesenden Schüler/innen sich aktiv für die Menschenrechte einzusetzen. Wichtig sei es, eine eigene Identität zu entwickeln und ihr Selbstwertgefühl nicht ausschließlich aus der Identifikation mit verschiedenen Gruppen zu beziehen. „Wir sind keine Tiere, die nach Instinkten agieren, wir können Mitgefühl und Verantwortung als Leitprinzipien in unserem Leben zu verwirklichen versuchen.“