Mao dun – Land der Gegensätze, Zhong guo – Reich der Mitte – Die HTL Braunau in China.

Ein Reisebericht von Mag. Josef Schwaiger.

In den letzten zwei Schulwochen reisten wir mit Zustimmung von höchsten Kreisen nach China, in das Land, in dem mehr als 70 % aller Spielwaren produziert werden, in dem etwa 300 Millionen Menschen rauchen, ein Land, das eine Ein-Kind-Familienpolitik betreibt, ein Land, in dem Meinungs- und Pressefreiheit ganz oben auf der Wunschliste stehen.

Es wäre wohl zu aufwändig, hier einen detaillierten Reisebericht zu schreiben. Lassen Sie mich lieber einige Eindrücke von dieser Reise schildern. So wie ich es gemeinsam mit 2 Lehrern, Herrn Wolf und Herrn Matejka, und 26 Schülern und Schülerinnen erlebt habe. Oder waren es 27? Oder 28? Ich sollte es eigentlich genau wissen, denn ich war immerhin fürs Zählen zuständig. Aber es waren ja immer alle da. Egal, wie anstrengend die Nacht zuvor war oder wie zäh die Vorträge in manchen Schulen waren, die ganze Meute war präsent. Wenn auch nicht immer mit allen Sinnen, aber das war nicht ihre Schuld.

Und dann war da noch Paul. Paul, der Chinese, der Wiener, der Übersetzer, der Allgegenwärtige, der „Billiglokalauftreiber“, der Käufer exotischer Früchte, der Apotheker, die Ansprechperson, der Engel, einfach Paul. Wenn ich mich recht erinnere, ist sein richtiger Name Ma, aber Ma in China heißt auch „Pferd“, „Mutter“, „schimpfen“ und noch irgend etwas – je nachdem, in welcher der vier Tonhöhen man es ausspricht. Aber sonst ist Chinesisch eine sehr einfache Sprache. Sagen die Chinesen. Sie haben keine Deklination, keine Artikel, keine Zeiten. Allerdings haben sie einige Schriftzeichen. Aber ca. 3000 reichen aus, um Zeitung lesen zu können. 20.000 wären besser.

China hieß für uns zunächst Stadtbesichtigung in Shanghai mit Rundgang im Regen. Für mich keine Stadt zum Leben. 20 Millionen Menschen sind zu viele, keine Grünflächen, auf Grund der hohen Grundstückspreise muss man nach oben. Man sagt, dass jeden fünften Tag in China ein Hochhaus gebaut wird. Und natürlich müssen auch extrem hohe dabei sein. Schließlich darf es nicht sein, dass Japan höhere Wolkenkratzer hat.

Der nächste Trip führte uns zu unserer ersten Kontaktschule nach Huang Zhou. Lächerliche acht Millionen Einwohner, 10.000 Studenten an der Schule. Leider waren die Sommerferien schon im Anmarsch, so dass wir nur wenige zu sehen bekamen. Aber die Schule hat uns sehr herzlich aufgenommen und Spiele für uns vorbereitet. Natürlich hatten aber auch wir mit unseren zu Hause einstudierten Volkstanzeinlagen einiges zu bieten. Sonst gab die Stadt, in der Mopeds nur elektrobetrieben sein dürfen, wenig her.

Dann kam die Zugreise nach Xi´an. 20 Stunden vielleicht? Ich weiß nicht mehr so genau, aber wir hatten Spaß. Und Instantnudeln. Ich habe die scharfen erwischt. Aber Paul war ja da. Er hatte immer das richtige Medikament bei sich. Und gerade dieses eine brauchten im Lauf der Reise alle, um den europäischen Magen wieder zu versöhnen. Shit happens.  Xi´an gehörte für mich zu den Highlights der Reise. Eine sehr moderne Stadt mit großen Plätzen und grünen Flächen. Und natürlich nicht weit zur Terracotta-Armee. Das muss man wohl gesehen haben, ein 8. Weltwunder, 5 Kriegertypen, 2.000 von etwa 7.000 wurden bis jetzt freigelegt, alle mit verschiedenen Köpfen, 2.000 Jahre alt. Kuriosum am Rande: Der deutsche Ausstellungsführer kostete 12 €, der chinesische aber 15 €.

Und dann war da noch Peking, die Hauptstadt, Veranstaltungsort der Olympischen Sommerspiele 2008. Und das merkt man. Man kann viele Sachen lesen! Straßen sind auf Englisch beschildert, in der U-Bahn gibt es sogar englische Durchsagen. Nur die Schulen, in denen wir waren, hatten mit Englisch ihre Probleme. Als unsere Schüler/innen etwas von ihrer Heimat präsentieren sollten, taten sie das ohne zu zögern auf Englisch. Die chinesischen Student/innen taten es auf Chinesisch. Sogar die Professoren und Professorinnen hielten sich fast ausschließlich an ihre Muttersprache. Einmal musste Google Translator herhalten, sonst war es unser Herr Ma. Nicht das Pferd, sondern Paul.

Als Englischlehrer war ich hoch erfreut, dass die Chinesen auf diesem Sektor von unseren Schülern und Schülerinnen einiges lernen könnten.

Natürlich waren wir nicht nur an Schulen, sondern auch im Himmelstempel , in der Verbotenen Stadt, am Platz des Himmlischen Friedens, im Lamatempel und auf der Chinesischen Mauer. Aber ich wollte ja keinen Reisebericht schreiben.

Zum Schluss noch einige Gedanken zum Essen. Gut, scharf, gemüsereich, Tofu ist gewöhnungsbedürftig, Pekingente schmeckt, Bettelhühnchen muss ich nicht jeden Tag haben, Maultaschen waren sehr gut, Chilifisch schaut gut aus. Nach drei Wochen freute ich mich auf Österreichisches. Aber wer nicht.

Wie sang unsere Lena Kühleitner doch so treffend (übrigens auch ein Highlight für die Chinesen): „Travelling, travelling, that´s all I wanna do …“ Auch wenn ihr selbstgeschriebenes Lied nicht von dieser Art Reisen handelt, so hat sie doch Recht. Reisen bildet, macht Spaß oder wie eine Schülerin bemerkte:

Solche Schulpartnerschaften und Reisen tragen dazu bei, dass die Globalisierung im positiven Sinne voranschreitet und wir miteinander respektvoll umgehen können.“

Und schließlich noch Zitate von Schülern und Schülerinnen, die die Reise besser zusammenfassen als viele Worte:

„Auch die Freundlichkeit der Chinesen war sehr toll und man fühlte sich wirklich immer wohl. Es gibt so viel Gutes, dass ich nicht alles beschreiben kann!“

„Am besten fand ich, dass wir am Abend auch die Freiheit hatten selbst zu entscheiden, was wir unternehmen wollen. Ich finde, man kriegt wesentlich mehr von den Menschen mit, wenn man in kleineren Gruppen unterwegs ist. Es war nicht immer leicht ein Taxi für die Heimfahrt zu organisieren, aber man ist doch immer im Hotel angekommen. :)“

„Alles in allem war die Reise ein unvergessliches  und wunderbares Abenteuer und ich hatte viel Spaß mit den Mitreisenden und auch den Lehrern und Herrn Ma, bei denen ich mich nochmals herzlich bedanke.“

Mag. Josef Schwaiger

HTL Redaktion am 30.08.2012

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