
Ein virtueller Physiotherapeut
Julian Hofer und Georg Stöllinger, beide 5AHELI, haben mit ihrem Maturaprojekt „Posture Recognizer for Physiotherapy“ eine hervorragende Möglichkeit geschaffen, um bestimmte physiotherapeutische Übungen zu erstellen, durchzuführen und zu bewerten. Ihr Projekt wurde gleich bei zwei Wettbewerben ausgezeichnet.
„Wesentlicher Bestandteil unseres Projektes ist die Hardware Kinect, die zur Steuerung der Videospielkonsole Xbox 360 verwendet werden kann. Mit dieser Entwicklung – sie besteht aus einer Kombination von Tiefensensor-Kamera, 3D-Mikrofon, Farbkamera und Software – können Spieler allein durch Körperbewegungen ihre Spielkonsole bedienen. Seit Juni 2011 ist das Software Development Kit kostenlos freigegeben und so konnten wir es entsprechend unseren Bedürfnissen einsetzen“, erzählen die beiden Maturanten.
Sie haben eine Software zum Durchführen und Analysieren von physiotherapeutischen Übungen erstellt, mit der Patienten z.B. einfache Gleichgewichtsübungen vorgezeigt werden, die sie dann möglichst gut nachstellen sollen. Um den Patienten für noch bessere Leistungen zu motivieren, werden die durchgeführten Übungen nach einem Punktesystem bewertet. Die Übungen können selbst erstellt werden. Vor dem Kinect Sensor wird eine Pose gestellt, die anschließend erfasst und abgespeichert wird. Dabei können Körperpunkte, auf welche beim Erkennen der Pose besonders geachtet werden soll, markiert werden. Das Programm bietet außerdem die Möglichkeit aus allen aufgenommenen Übungen spezielle Übungsprogramme zusammenzufassen.
Auf dem Gebiet der Physiotherapie stellt die Erfassung und Analyse von Körperhaltungen mit dem Kinect Sensor absolutes Neuland dar. Bisher existierte zur Erkennung von Körperbewegungen nur eine Lösung mit aufklebbaren Elektroden. Im Gegensatz dazu benötigt die von den Schülern gewählte Methode keinerlei Hilfsmittel. Der Patient kann dadurch die Übungen zu Hause ohne jegliche Hilfe und unkompliziert durchführen; dies stellt insbesondere eine Erleichterung für ältere Patienten im geriatrischen Bereich dar. Da die Person sich selbst im Kamerabild sieht, ist es ihr möglich, Fehler beim Durchführen der Übung selbst zu erkennen.
Das vor allem softwaremäßig sehr anspruchsvolle Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Krankenhaus Braunau durchgeführt wurde, ist so gut umgesetzt worden, dass die beiden Schüler beim Wettbewerb der FH Salzburg den Sonderpreis für Projekte mit bester Perspektive erhielten. In der Begründung hieß es „ihr Projekt diene der Gesundheit sowie Altersvorsorge und behandle ein sehr bedeutendes, gesellschaftsrelevantes Thema. Die beiden Oberösterreicher haben mit Hilfe von Kinect einen virtuellen Physiotherapeuten geschaffen“. Besondere Freude bei den Projektanten hat auch der 2. Platz beim Wettbewerb Computer Talents Austria in der Kategorie „Oberstufe“ ausgelöst. Insgesamt 70 Projekte aus dem Bereich der Informationstechnologie haben an diesem Wettbewerb teilgenommen.




