Martin Lamprecht verstorben

Große Bestürzung und Trauer hat der Tod von Kollegen Martin Lamprecht am Donnerstag, 21. Juni 2012 ausgelöst. Kollege Lamprecht ist an den Folgen einer Gehirnblutung gestorben. Im Folgenden ein Nachruf auf unseren lieben Kollegen.

Martin Lamprecht, 1973–2012

Ein Abschied für immer

Wir standen am Gang, inmitten des alltäglichen Schullärms und waren erschüttert: ein Schüler, dem ich eben erst bestätigen musste, was er nicht glauben wollte, und ich. Martin Lamprecht hat uns für immer verlassen und wir beide, sein Schüler und ich, seine ehemalige Lehrerin, konnten und wollten es nicht glauben.

Gerade erst neigte sich sein erstes Schuljahr als Lehrer an seiner ehemaligen Schule dem Ende zu, und ich wollte ihn in einem gemeinsamen Interview als Neulehrer im Jahresbericht vorstellen. Wir hatten unter Gelächter ausgemacht, er würde sich richtig schön dafür machen, „noch schöner“, wie er sagte, und wir würden wunderbare Fotos dazu machen, auf die, so versprach ich ihm, noch seine Enkelkinder stolz sein würden. Alles war ausgemacht. Der Tod vereitelte unsere Pläne.

Die Schule hat einen Junglehrer verloren, der es von Anfang an geschafft hat, die Schülerinnen und Schüler für sich einzunehmen. Seine so positive Ausstrahlung, seine liebenswürdige, umgängliche und verständnisvolle  Art, seine Freude an der Arbeit mit jungen Menschen machten aus dem pädagogisch noch nicht geschulten Martin einen Lehrer, wie ihn sich Schülerinnen und Schüler wünschen.

Nicht nur als seine Kollegin hatte ich unglaublichen Spaß mit ihm und konnte mit ihm aus vollem Herzen lachen, auch als er noch mein Schüler war, gelang es mir nie, ihm gram zu sein. Nie verletzte er seine Grenzen, und seine optimistische Grundhaltung war nach geradezu ansteckend. Kann es wirklich sein, dass er mir nie mehr strahlend begegnen wird? So wie im letzten Herbst, als ich ihn mit seinem jüngsten Sohn traf, den er mir stolz vorstellte. Wie liebevoll er mit ihm umging, das spüre ich heute noch. Mir war von Anfang an klar, dass Martin, Lampi durfte ich ihn als Schüler nennen, an unserer Schule am richtigen Platz und für die Schule ein großer Gewinn war. Alle Reaktionen sowohl von Schüler/innen als auch von Kolleginnen und Kollegen bestätigen diese Sichtweise. Er war ein Mensch ohne Argwohn, und das ist heute sehr selten. Die Menschen in seiner Umgebung spürten, dass er ihnen immer wohlgesonnen war. Er wollte immer nur helfen, weil er ein Mensch war, der sich für die Gesellschaft, in der er lebte, verantwortlich fühlte.

Sein wohl intensivstes Engagement gehörte seiner Familie. Wie viel diese ihm bedeutete, konnte jede/r ermessen, die/der mit ihm ins Gespräch kam. Die Ernsthaftigkeit, mit der er über Fragen der Erziehung und des Zusammenlebens sprach, zeugte von seiner intensiven Auseinandersetzung mit den für ihn – und die meisten Menschen – wohl  wichtigsten Fragen des Daseins.

Inmitten des lauten Alltags, der für viele Menschen sehr stressig ist, so dass das Hineinfühlen in andere schier unmöglich ist, steht eine Familie, für die die Zeit angehalten zu sein scheint. Nichts ist für seine Söhne, für seine Lebensgefährtin, für seinen Vater, für seine Geschwister so, wie es einmal war. Trost darin zu finden, dass sie ihn – wenngleich für eine viel zu kurze Zeit – bei sich hatten, mit ihm leben konnten, ihn in all seinen Facetten erleben durften, dass so viele Menschen mit ihnen trauern, ehrlich trauern,  wird wohl erst viel später Stütze sein können. Wo immer Martin jetzt ist, er spürt, dass wir an ihn denken, dass wir um ihn trauern.

In aufrichtiger Anteilnahme

Brigitte Benischke

am 24.06.2012

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