Vortrag Franz Fischler

Die EU muss gestärkt werden

Der frühere EU-Kommissar Dr. Franz Fischler hat in einer Veranstaltung in der HTL Braunau mit 300 Schüler/innen über die Euro-Krise und die EU diskutiert. Soll Europa im globalen Wettbewerb weiter mitmischen wollen, dann muss die EU mit einer Stimme sprechen und die EU-Institutionen müssen gestärkt werden, so sein Fazit.

Auf großes Interesse ist der Kurzbesuch von Dr. Franz Fischler am Dienstag, 27.9.2011 in der HTL Braunau gestoßen. Dr. Fischler hat vor 300 Zuhörer/innen in einem kurzen Statement die Hintergründe der momentanen Eurokrise dargelegt und dann Fragen der Schüler/innen beantwortet.

Ein wichtiger Grund für die momentane Schuldenkrise liegt für Dr. Fischler in der überdimensionierten und zu stark deregulierten Finanzwirtschaft. Im Anschluss an das Ende der Planwirtschaft 1989 ist es vor allem den großen (Investment-)Banken gelungen mit neuen Produkten den Markt zu bestimmen. Mittlerweile macht das weltweite Finanzvermögen das Achtzigfache der jährlichen Wirtschaftsleistung aus und durch dieses Übergewicht wird eine ausgesprochen gefährliche Situation verursacht.

Natürlich sind die einzelnen Staaten selbst zu einem wesentlichen Teil für die Überschuldung verantwortlich. Fischler hat dies vor allem am Beispiel Griechenland dargelegt. Ein kaum industrialisiertes Land, das von Landwirtschaft und Tourismus bestimmt wird,  hat enorme Schulden aufgebaut und dies – mit Hilfe von amerikanischen Investmentbankern – auch eine Zeitlang verschleiern können. Der schwierige Schuldenabbau ist nach Ansicht von Fischler nur durch eine Verkleinerung des Militärs, einer deutlichen Anhebung des realen Pensionsalters und durch entsprechende Verwaltungsreformen möglich. Absolut notwendig sind aber auch Investititonen, damit Griechenland wieder ein Wirtschaftswachstum aufweisen kann.

Fischler macht bei den Fragen auch klar, dass ein Konkurs Griechenlands schwer kalkulierbare Folgen hätte und das ein „Hinauswerfen“ Griechenlands aus dem Euro-Raum wahrscheinlich das Ende der EU bedeuten würde. Er zeigte auf, dass in Amerika einzelne Bundesstaaten ein ebenso großes Schuldenproblem haben, wie dies in Europa der Fall ist, durch die gemeinsame Finanz- und Währungspolitik gibt es dort aber keine Probleme. Seiner Meinung nach sollte auch in Europa eine gemeinsame und verlässliche Finanzpolitik gemacht werden, notwendig ist dazu freilich, dass auch nationale Rechte an die EU übertragen werden und dass klare Regeln gelten.

Das gemeinsame Auftreten aller EU-Mitgliedsstaaten ist für Fischler auch das Um- und Auf für die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Europa wird in fünf Jahren von China, was die Wirtschaftsleistung anbelangt, überholt werden, Indien wird in einigen weiteren Jahren folgen. Europa kann in einer globalisierten Welt nur dann auf Dauer bestehen, wenn mit einer Stimme gesprochen wird und nationale Sonderinteressen in den Hintergrund treten. Gerade Techniker/innen, die vielfach in exportorientierten Betrieben arbeiten, müssen ein Interesse an einer starken EU haben.

„Mir hat die Stunde mit Herrn Fischler sehr gefallen. Endlich ein Politiker, der komplizierte Zusammenhänge gut erklärt und der Klartext redet. Kein Populist und keiner, der nur Ängste schürt, bei ihm hat man das Gefühl, dass er sich wirklich auskennt und weiß, was Sache ist. Schade, dass er nicht in der Regierung sitzt.“ So ein Schüler im Anschluss an die Veranstaltung.Dir. Hans Blocher bedankte sich sehr herzlich bei Dr. Fischler für seinen Besuch. Der lang anhaltender Applaus der Schüler/innen hat gezeigt, dass Dr. Fischler einen guten Zugang zu seinem Publikum gefunden und sie sehr beeindruckt hat.

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