Bewertung der BHS-Ausbildung

Die Bewertung der BHS-Ausbildung beim Studium ist unfair ...

Anton Planitzer ärgert sich über die mangelnde Anrechnung von Kenntnissen an FHs und Unis.

Mehrmals jedes Jahr ärgere ich mich über so manche Fachhochschule und Universität. Ganz besonders aber ärgere ich mich über das Bildungs- und das Wissenschaftsministerium. Warum? Weil die HTL-Ausbildung (und die der anderen Berufsbildenden Höheren Schulen) nicht entsprechend honoriert wird. Wenn HTLer fünf Jahre jede Woche 37 Stunden in die Schule gehen und nach der Matura ein Studium beginnen, dann wird die damit erbrachte Leistung bei vielen facheinschlägigen Studiengängen nicht angerechnet. Ich finde es z.B. wirklich ein ausgesprochen unfaires und abgehobenes Vorgehen, wenn einem Absolventen, einer Absolventin der Abteilung Elektronik, die/der in fünf Jahren mindestens 17 Jahreswochenstunden Programmieren hatte, ab 2010 keine einzige Stunde mehr für sein Informatikstudium an der TU Wien angerechnet wird. Oder wenn es eine Reihe von FHs gibt, die die Unterschiede zwischen Absolventen facheinschlägiger HTL-Richtungen und anderen Maturanten/innen einfach übergehen. Ich halte es schlicht für eine enorme Vergeudung von Ressourcen, dass nicht alle BHS-Maturanten/innen in ihrem facheinschlägigen Bereich mindestens ein, wenn nicht zwei Semester eines Studiums erlassen bekommen. Warum wird nicht die Leistung in den fünften Klassen in ECTS-Punkte umgerechnet? Wo sind die Verhandlung zwischen Unterrichts- und Wissenschaftsministerium in dieser Frage? Unsere Absolvent/innen erzählen mir, dass sie an den technischen Studiengängen der Fachhochschulen und der Universitäten wirklich deutliche Wissenvorsprünge haben, warum wird das nicht abgegolten?

Aber ich will nicht bei meinem Ärger bleiben. Einige Fachhochschulen (so z.B. Salzburg, Wels, auch die FH Technikum Wien) haben Modelle entwickelt, wie sie die Vorkenntnisse der Studenten/innen überprüfen und anrechnen. Da kann es dann sein, dass man mit einigen Zusatzprüfungen ins 3. Semester einsteigt und ein ganzes Jahr sparen kann. Ich hoffe sehr, dass solche Modelle eine Beispielwirkung haben und dass sie vor allem auf dem „Studentenmarkt“ solchen FHs deutliche Vorteile bringen.

Und noch eins: Jeder BHS-Absolvent, jede BHS-Absolventin soll, wenn er/sie ein facheinschlägiges Studium ergreift, zur Studienabteilung gehen und fragen, ob da Stunden angerechnet werden und sich beschweren, wenn dies nicht der Fall ist. Ein wenig hoffe ich auch auf die Direktoren und Landesschulinspektoren – bitte bringen Sie diese Frage immer wieder in die Gespräche mit den Bildungsverantwortlichen ein. Es gibt auch jenseits von Gesamtschule und Lehre mit Matura Fragen, die es wert sind, diskutiert zu werden. Und die faire Bewertung der BHS-Ausbildung gehört dazu!

blog comments powered by Disqus