Zum neuen Lehrerdienstrecht

Information der Kollegenschaft der HTL Braunau an alle Eltern

Sehr geehrte Eltern!


Wie Sie sicher den Medien entnehmen konnten, hat ein neues Dienstrecht für alle Lehrerinnen und Lehrer den Ministerrat passiert, alleinig die Beschlussfassung des Parlaments steht noch aus.
Die Kollegenschaft und Leitung der HTL Braunau hat schwerste Bedenken gegen dieses neue Dienstrecht, es geht dabei beileibe nicht nur um wenige Stunden Mehrarbeit (wie von Ministerseite verlautete), sondern die Zukunft unseres Schultyps wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt.
Obwohl die beschlossenen Änderungen keine direkten Auswirkungen auf Ihre Kinder und auf das derzeitige Lehrerteam der HTL Braunau haben werden (Wirksamkeit erst für neue Lehrkräfte ab 2019), wollen wir aus Sorge um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Österreichs die Effekte des neuen Dienstrechts in der gebotenen Kürze darstellen:

  • Alle neuen Lehrkräfte an HTLs müssten nun 24 Stunden (statt wie bisher 17 bis 22) vor der Klasse stehen (nicht eingerechnet die laufende fachliche Weiterbildung, direkte Unterrichtsvor-und Nachbereitung, Verbesserungen, Beratungen u.v.m.), was einer Erhöhung der Arbeitszeit um teilweise über 40% bedeuten würde! Das Einstiegsgehalt würde zunächst zwar von 2.222,80 auf 2.420 EUR etwas ansteigen, das Endgehalt aber von 5.139,30 auf 4.300 EUR drastisch sinken. Zu diesen Bedingungen wird es unmöglich sein, die jetzt schon schwer zu findenden technischen Lehrkräfte (Dipl.-Ing., Dr. techn.) einzustellen, da diese sinnvollerweise erst nach Jahren der betrieblichen Praxis zu uns kommen!
  • Ein Master-Abschluss (bzw. früher Dipl.-Ing. oder Dr. techn.) und eine entsprechende Praxis wäre aber für eine Einstellung nun gar nicht mehr notwendig, ein Bachelorabschluss ohne jede Praxiserfahrung würde ausreichen. Was das für die Qualität der HTL-Ausbildung bedeuten würde, brauchen wir wohl nicht extra in Worte zu fassen!
  • Dieselben Voraussetzungen (Bachelor-Abschluss) wären jedoch auch für die Lehrer der Fachpraxis vorgesehen. Hier wird es dadurch aber ebenfalls unmöglich, Meister ihres Faches für den Unterricht in der Werkstätte zu gewinnen, da diese nun zusätzlich ein universitäres TeilStudium auf sich nehmen müssten!


Eine HTL auf ein Labor-Gymnasium zu reduzieren mag zwar eine Möglichkeit sein, das Budgetloch zu stopfen, die gesuchten Absolventen, die unsere Wirtschaft so dringend braucht, können auf diesem Weg aber sicher nicht ausgebildet werden!
Die Kollegenschaft der HTL Braunau bittet Sie daher jetzt schon um Verständnis, dass alle gewerkschaftlichen Maßnahmen gegen diesen "Dienstrechtspfusch" (viel weniger Qualität wird um der Ersparnis willen in Kauf genommen) mitgetragen werden!

Braunau, 21. 11.2013
Die Kollegenschaft der HTL Braunau

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