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Informationen zum Ingenieursgesetz2017 - "Ing." wird bachelorwertig

Mit dem im Dezember 2016 im Nationalrat beschlossenen Ingenieursgesetz wird der „Ing.“ im Rahmen des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) mit dem akademischen Grad des Bachelors auf eine Stufe gestellt. Im Folgenden einige Informationen zum neuen Gesetz und zur neuen Praxis.

Jedes Jahr wird die Standesbezeichnung „Ingenieur“ an knapp 5000 Absolvent/innen von HTLs und HLFs vergeben. Grundlage dafür war bisher das in seinen Ursprüngen auf das Jahr 1917 zurückgehende Ingenieursgesetz. Dieser Titel erfreut sich in Österreich hoher Wertschätzung, ist aber bisher international ohne Bedeutung. Durch das Ingenieurgesetz 2017 wird sich dies jedoch ändern, weil der Titel mithilfe einheitlicher Standards in die Stufe 6 des Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) eingeordnet wird und damit als dem akademischen Grad eines „Bachelors“ gleichwertig anzusehen ist.

Der Nationale Qualifikationsrahmen ist ein Mittel zur Systematisierung von Qualifikationen, Kompetenzen und Abschlüssen und umfasst insgesamt acht aufsteigende Stufen. Für jede dieser Stufen werden Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen beschrieben. Der österreichische NQR ist am Europäischen Qualifikationsrahmen (EGR) ausgerichtet und dadurch kommt es auch zu einer deutlich besseren Positionierung des „Ing.“ im internationalen Umfeld. Der Stufe 6 wird dabei zugeschrieben, dass die entsprechenden Abschlüsse zur „Leitung komplexer fachlicher oder beruflicher Tätigkeiten oder Projekte und zur Übernahme von Entscheidungsverantwortung“ befähigen.

Mit der Gleichwertig des „Ing.“ ist aber keine Gleichstellung mit dem Bachelor verbunden. Es kann also keinesfalls erwartet werden, dass mit dem „Ing.“ die Voraussetzungen für ein Masterstudium nachgewiesen sind. Beim „Ing.“ handelt es sich auch nicht um einen akademischen Titel – solche werden ausschließlich von Hochschulen bzw. Universitäten verliehen. Grundsätzlich wird aber die Frage nach der Einstufung und der Anrechnung von Kenntnissen von Ingenieur/innen, die ein Studium aufnehmen wollen, sich sicher neu stellen.

Damit diese Gleichwertigkeit mit anderen Abschlüssen auf der Stufe 6 gegeben ist, ist es aber notwendig, sich einem standardisierten und nachvollziehbaren Qualifikationsprozess zu unterziehen. Konkret sieht das ab 1. Mai 2017 so aus, dass statt des Wirtschaftsministeriums eigene Zertifizierungsstellen für die Vergabe des „Ing.“ verantwortlich sind. Dort müssen Interessent/innen neben der abgelegten Reife- und Diplomprüfung eine dreijährige Praxis nachweisen, wobei von einer Tätigkeit von mindestens 20 Wochenstunden ausgegangen wird. „Minimalbeschäftigung“ oder Praxistätigkeit vor der Matura können nicht mehr anerkannt werden.
In einem Fachgespräch mit zwei Experten muss der/die Antragssteller/in nach positiver Beurteilung der eingereichten Unterlagen ausreichende Kompetenzen beweisen um den Ingenieurstitel zu erhalten. Beide Experten – einer soll im entsprechenden Fachbereich beruflich tätig sein, der andere soll eine Lehrkraft aus dem betreffenden oder einem verwandten Fachbereich sein – müssen die Kompetenzen bestätigen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann kann das Gespräch einmal im Rahmen der Antragstellung wiederholt werden. Das  Fachgespräch ist keine Prüfung, sondern soll als Expertengespräch verstanden werden. Dabei werden die im Antrag angegebenen Projekte und beruflichen Aufgaben die Grundlage für das Gespräch bilden. Die beiden Experten sollen dabei sowohl die fachlichen Kompetenzen als auch den Grad der Selbständigkeit und der Entscheidungsverantwortung eruieren.
Alle bisher verliehen „Ing.“-Titel können nicht nach den neuen Bestimmungen eingestuft werden, es besteht aber die Möglichkeit, sich durch ein Fachgespräch nachqualifizieren zu lassen. Wenn jemand nach dem alten Ing.-Gesetz seine Standesbezeichnung erhalten will, so muss er den Antrag bis 30.4.2017 einreichen.

Insgesamt ist mit dem neuen Ingenieursgesetz eine dem Beschäftigungsniveau sehr vieler HTL-Absolvent/innen entsprechende Aufwertung des „Ing.“ erfolgt, die vor allem eine bessere Positionierung im internationalen Zusammenhang zur Folge hat. Gleichzeitig wird auch die sehr gute Qualität der HTL-Ausbildung durch diese Maßnahme verdeutlicht.


Weiterführende Informationen

Der Text des Ingenieursgesetzes2017 ist z.B. unter www.bmwfw.gv.at/Berufsausbildung/LehrlingsUndBerufsausbildung/Documents/IngG %202017.pdf einsehbar

Nähere Informationen (FAQs), insbesondere zur Ausgestaltung des Expertengesprächs, gibt es unter
www.bmwfw.gv.at/Berufsausbildung/LehrlingsUndBerufsausbildung/Documents/FAQs%20IngG2017%20%28HP%29%202017.pdf

Einen guten Überblick über die gesamte Entwicklung gibt der Artikel „Upgegradet. Aufwertung der Standesbezeichnung Ingenieur“ von Dipl.-Ing. Walter Scharl dem Leiter der Abteilung II/2 – Technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Schulen im Bundesministerium für Bildung. Der Artikel ist in der Zeitschrift Weg in die Wirtschaft Ausgabe 6/2016 (6-9) erschienen und online z.B. unter www.kha.at/downloads/wiw-6_2016.pdf  einsehbar.





Ausbildungsbeschreibung, Ingenieurtitel

Unten finden Sie Beschreibungen der einzelnen Abteilungen der HTL Braunau auf deutsch und auf englisch, die sehr gut den Ausbildungsbereich erläutern. Die Angaben sind von www.zeugnisinfo.at übernommen – eine wirklich informative Homepage.

Außerdem finden Sie das Antragsformular zum Ingenieurtitel und entsprechende Erläuterungen – beide Files stammen von der Homepage des Wirtschaftsministeriums, das für die Titelverleihung zuständig ist. www.bmwa.gv.at/BMWA/Service/Ingenieurwesen/ingenieurtitel_inl_htls.htm

Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Anton Planitzer

 a.planitzer(at)eduhi.at